CL5-Pulte lösen Laufzeitprobleme in der Schweiz

Sechs lange Wochen im Juli und August 2012 hatten zwei Yamaha-CL5-Konsolen ihre bislang größte Herausforderung zu meistern. Vor einer beeindruckenden Seenlandschaft, wo „Tell – das Musical“ die ereignisreiche Geschichte des Schweizer Volkshelden Wilhelm Tell nacherzählte, lösten die Pulte hochkomplexe Laufzeitprobleme.

Direkt am Ufer des Walensees im Norden der Schweiz bei Walenstadt ausgesprochen pittoresk gelegen befindet sich das gleichnamige Walensee-Theater. Die Open-Air-Spielstatte verfügt über 2000 Zuschauerplatze und eine riesige, 60 Meter breite und 30 Meter tiefe Bühne. Dahinter scheinen die Berge der Alpen regelrecht ins Wasser zu stürzen – eine wahrhaftig erhabene Kulisse für die aufwändige Musical-Produktion.

Sounddesigner Andreas Brull wurde beauftragt, eine Sound-Atmosphare zu schaffen, die dem Spektakel gerecht werden kann. Dies hies auch, dass ein komplexes Konzept für Delay-Lines benötigt wurde, um zu gewährleisten, dass auch wirklich alle Besucher des ausverkauften Events in den Genuss von Klangqualitat in ihrer reinsten Form kommen können. Zusammen mit der Equipment-Firma Hyposound AG, die mit Christoph Müller den technischen Leiter stellte, entschied sich Andreas für ein Paar CL5-Konsolen und zwei I/O-Module vom Typ Rio 3224-D in Reihe. Damit, das wusste er, war die benötigte Klangqualitat erreichbar.

Mike Müller von Hypersound: „Wir benutzen seit vielen Jahren Yamaha-Pulte, weil sie sehr zuverlassig sind, viele grossartige Funktionen haben und Yamahas ausgesprochen faire Preispolitik offenlegen. Darüber hinaus ist der Support bei Yamaha vorbildlich. Für jeden Aufgabenbereich gibt es die passende Konsole, und die Pulte sind so stark verbreitet, dass wirklich jeder Toningenieur mit der Technik umgehen kann.“

Tobias Stritt mixte das zwölfköpfige Orchester auf einem der beiden CL5-Pulte, während die Vocals (32 Funkmikrofonkanale plus drei Eingange von einer Gesangskabine für zusätzliche Hintergrund-Vocals) von Kollege „Serge“ auf dem zweiten gemischt wurden.

„Der Komponist des Musicals, Marc Schubring, hat eine grosse Schwäche fur Filmmusik. Er wollte einen wirklich monumentalen Sound haben, was bei einem kleinen, zwölfköpfigen Orchester eine echte Herausforderung war. Ich musste also zahlreiche interne Effekte des CL5 in Anspruch nehmen. Dazu gehörten ein Doubler sowie diverse Hallräume, um die Streicher anzufetten. Die Perkussion hatte einen eigenen Hall, der sehr schön in den Hauptorchestersound #berging. Außerdem habe ich die Portico-Kompressoren von Neve verwendet, und zwar auf allen Ausgängen“, so Tobias.

Auch wenn Tobias und Marc mit solchen Vorlieben und Anekdoten eine gewisse Lockerheit ausstrahlen, so darf dies doch nicht darüber hinwegtauschen, dass die Komplexität der Produktion größte technische Herausforderungen für das Audioteam bereithielt. Hier kamen die Flexibilität und die Kanalanzahl der CL5-Mixer voll zur Geltung.

Die Stereosumme des Orchesters kam aus zwei Lautsprechern auf zwei Türmen links und rechts von der Bühne. Die Vocals wurden von einem LCR-Dreipunkt-System ubernommen, dessen Lautsprecher unter der Bühne in das Dekor integriert waren. Vier weitere, auf Stative im Publikum montierte Lautsprecher wurden als Delays verwendet. Diese sieben Vocal-Boxen (LCR + 4 x Delay) führten ganz leise auch den Orchestermix.

Eine 60 Meter breite Bühne ist kein Pappenstiel – und es gab bereits hier einige Laufzeit-Probleme zu lösen. Das Audioteam musste also einen durchaus raffinierten Delay-Aufbau konstruieren.

„Unser Ansatz war, den Content zu verzögern – und nicht die Lautsprecher“, so Mike. „Dank der vielen verfügbaren Kanäle an den Pulten und im Dante-Netzwerk wurde die ganze Signaldistribution über die CL5-Mixer realisiert. An den Positionen der Lautsprecher für die Haupt-Vocals richteten sich drei grundlegende vordefinierte Spielpositionen aus. Je nachdem, wo der Schauspieler auf der Bühne spater spielen sollte, wurde das Ausgangsrouting fur sein Mic-Kanal auf dem Vocal-Pult für L, C oder R vorprogrammiert. Diese drei Ausgangskanäle wurden jeweils sieben Mal gesplittet und auf Input-Kanale des Orchesterpults geroutet. Hier wurden die 3 x 7 Kanale durch Input-Delays geschickt und je nach Lautsprecherposition gezielt verzögert, bevor wir jeden Kanal über die Ausgangs-Matrix des Orchesterpultes zu einem Lautsprecher des Vocal-Delay-Systems geschickt haben.“

Das Monitoring war etwas weniger kompliziert. Die Musiker im Orchestergraben nutzten Behringers „Personal Monitoring Mixing„-Systeme, die von Direct-Outs und Mixgruppen gespeist und durch ein Yamaha-MY16-AT-ADATInterface im Orchester-CL5 geroutet wurden.

Das Bühnenmonitoring für die Schauspieler bestand aus eigens dafür angefertigten Orchestermischungen, die über das Orchester-Pult auf das Vocal-Pult und von dort auf 17 Bühnenmonitore geschickt wurden. „Weil die Schauspieler oftmals in einiger Entfernung zur Haupt-Musikanlage spielen, wurde ein Kanal geplittet und verzögert, um bei Bedarf zur Laufzeit des Hauptsystems zu passen“, so Mike weiter.

Aufgrund der Komplexitat des Aufbaus musste die gesamte Produktion auf den CL5-Pulten vorprogrammiert werden. Auf dem Vocal-Mixer wurden allein 160 Szenen angelegt, auf dem Orchester-Pult immerhin noch 50.

 

„Wie bei solchen Produktionen üblich, war der Regisseur von dem Punkt an dabei, wo es darum ging, alle Bereiche zusammenzubringen, um die künstlerischen Belange mit uns zu klären. Für uns Soundtechniker war es eine der gröten Herausforderungen, all jene wichtigen Informationen zu sammeln, die wir für die Vorprogrammierung benötigten – also zum Beispiel, welcher Schauspieler wann singen – und wo auf der Bühne er sich dabei befinden wird. Außerdem ist es immer schwer, gute Positionen für Monitore zu finden, weil sie niemand am Set sehen möchte“, erklärt Serge.

Aber dank exzellenter Teamarbeit und hilfreicher Technologie wie Yamahas iPad-App StageMix, funktionierte das System fehlerlos.

„Früher hatten Sounddesigner selbst auf kleineren Bühnen oft Ärger mit unerwünschtem Laufzeit-Panning“, so Technikchef Christoph. „Heute ist das nicht mehr der Fall. Die Laufzeiten waren dank der CL5-Pulte und der harten Arbeit des Audioteams durchweg unter Kontrolle. Technik und Personal arbeiteten fantastisch Hand in Hand.“

Tobias und Serge waren ebenfalls sehr zufrieden mit den CL5-Pulten. Zunachst Tobias: „Die Custom-Faderbank ist eine tolle neue Funktion. Dass ist wirklich eine sehr intuitive Konsole, die alles hat, was man zum Produzieren einer fantastischen Orchestermischung benötigt.“

Serge teilt Tobias‘ Meinung zu einhundert Prozent, fügt aber noch hinzu: „Die Bedienung des CL5 ist absolut logisch und verständlich. Und auch das Nuendo Live im Lieferumfang stellt einen echten Mehrwert dar. Es gab häufig Proben, bei denen die Musiker und auch einige Schauspieler nicht anwesend waren. Am Anfang haben wir noch mit Audinates Virtual Soundcard zusammen mit Cubase aufgenommen und Soundcheck-Material vorproduziert. Die Veröffentlichung von Nuendo Live war dann ein groser Schritt nach vorn – wir konnten alles einfach ‚On The Fly‘ mitschneiden.“

Die pragnanteste Beurteilung aber kam von Marco Wyss, CEO der TSW Musical AG, die „Tell – Das Musical“ auf die Bühne brachte. Nach der Premiere fasste er seine Eindrücke mit folgenden kurzen Worten zusammen: „Der Sound war fantastisch“.

Info: www.yamahaproaudio.com

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