Cirque du Soleil

ZioGiorgio erneut „on the road“, dieses mal um einen Blick hinter die Kulissen einer der aktuell sensationellsten Shows zu werfen: Delirium, präsentiert vom
Cirque du Soleil.

Wart ihr jemals im Zirkus? Ich glaube schon, wer ist nicht wenigstens einmal in seinem Leben dort gewesen.

Bei meinem letzten Zirkusbesuch war ich noch ein Kind. Zusammen mit Mama und Papa habe ich mich köstlich amüsiert, und auch wenn die Show unter technischen (und vielleicht auch künstlerischen) Aspekten ein bißchen „arm“ war, stellte sie für mich, ein auf dem Land aufgewachsenen Jungen, ein absolutes Highlight dar.
Schon lange wollte ich wieder mal diese Gefühle aufleben lassen, aber wie es halt so ist: Unsere Arbeit, mit tausenden verschieden Verpflichtungen, hatten mich gezwungen, den Zirkusbesuch immer wieder zu verschieben.

Wie wir jedoch alle wissen, ergeben sich die besten Möglichkeiten wenn man sie überhaupt nicht erwartet: Ein Anruf in unsere ZioGiorgio-Hauptredaktion gibt mir die Notiz, dass es möglich wäre einer Show von Cirque du Soleil in Turin beizuwohnen, und auch mal kurz mit den Technikern zu sprechen…fantastisch!
Natürlich akzeptiere ich diesen Vorschlag sofort.

Nach einem kurzen Email-Austausch mit der sehr freundlichen Cleo Vo-Dai (Publicist für CdS), und einem kleinen Abenteuer mit meinem Auto, erreiche ich also endlich am 17. März um 20 Uhr die Palaolimpico-Halle von Turin.

Die Organisation ist perfekt, alle sind extrem höflich, eingeschlossen der Security, der die Backstage-Area überwacht. Obwohl nur eine Stunde bis zur Show fehlt, und alle natürlich viel zu tun haben, ist die Atmosphäre entspannt und ohne jegliche Art von Stress. Man merkt es sofort: Hier hat man es mit Profis zu tun.

Die erste Person die mir Cleo vorstellt ist der Toningenieur, Renato Petruziello (wie man vom Namen her versteht ist er italienischer Herkunft), den wir am FOH-Platz finden. Zum Glück spricht er auch ein bißchen italienisch und ist sehr nett. So erklärt er uns die Beschallungsanlage, ein Meyer Sound MICA Line Array. 4 Cluster mit jeweils 16 Einheiten ergeben zwei L-R, hinzu kommen 8 Cabinet 700HP, 8 M3D-Sub, 8 M1D, und einige CQ1, UPA-1P e UPA-2P, alles Meyer Sound.

Die Wahl eines Mica-Systems beruht auf der größeren Vielseitigkeit dieser Line Array im Vergleich zu einem Milo-System, da die Produktion sich des öfteren in komplett verschiedenen Ambienten bewegt.

Reanato ist sowohl mit dem Sound der Anlage sehr zufrieden (perfekt eingestellt vom PA-Mann) als auch mit der Akustik der Turiner Palaolimpico-Halle, obwohl der vielen Plexiglasbarrieren, die jedoch wohl die Soundqualität nicht großartig beeinflussen

Als Mixer, sowohl in der FOH-Position als auch fürs Monitoring, kommen zwei Yamaha PM1D zum Zuge. Hier habe ich natürlich eine der klassischsten Fragen parat: Bevorzugst du digitale oder analoge Mixer? Die Antwort war vorherzusehen, ist aber auch logisch. In einer solchen Situation sind digitale Mixer einfach besser geeignet, auf Grund der Automationsmöglichkeiten, speichern der Szenen ecc., aber was die Soundqualität angeht bevorzugt Renato immer noch ein schönes analoges Midas-Pult (dem kann ich persönlich nur zustimmen)

Genau zu diesem Thema sehen wir im Rack neben dem Mixer eine Reihe von Preamps Midas XL-42 und Distressor von Empirical Labs, die halt einfach immer eine gewisse Sicherheit geben.

Die zweite positve Überraschung ist die Live-Band, also keine vorher aufgenommenen Backing-Tracks (die hier nur als Special Effects und für ein paar Loops verwendet werden). Die Band besteht aus sechs Musikern (dr, perc, bs, keys, guit, tb) und weiteren sechs Sängern. Die in der Produktion verwendeten Mikrofone sind Shure, Sennheiser, Audio-Technica und Neumann.
Alle benutzen Sennheiser und Shure IEM-Systeme, sowohl fürs klassische Monitoring, als auch für eventuelle technische Kommunikationen während der Show.

Das Gespräch mit Renato war wirklich sehr nett (zwischen Kollegen versteht man sich immer) aber die Zeit drängt. Cleo führt mich zu Nico Labbe, Lighting Director der Show.
Die Welt der Beleuchtung ist nicht so meine Sache deshalb bitte ich Nico in einfachen Worten das Lighting-Rig zu beschreiben.
MovingHeads und Leds sind in der Überzahl: 120 Vari-Lite (VL 3500, VL 3000, VL 2500), einige Martin MAC 500, und weiterhin Produkte von Chroma-Q, Robert Juliat, Icolor Cove MX und Color Block DB4 von Color Kinetics.
Nico steuert das gesamte Rig mit zwei grandMa-Konsolen und erklärt, dass während der Show nur sehr wenige synchronisierte Effekte vorgesehen sind, d.h.
alles wird „von Hand gemacht“…nicht schlecht!

Es bleiben noch zwei Minuten um ein paar Worte mit Russell Glen, dem Stage Manager der Produktion zu wechseln, der uns kurz die Struktur der Bühne
erklärt, welche aus motorisierten Traversensystemen besteht, mit einem Schienensystem für das Bewegen von Elementen der Szenografie und der Projektionsleinwände, und einem Raum unterhalb der Bühne, zum Scherz auch „Underworld“ genannt, der es den Akteuren erlaubt, dank von vier Falltüren aus der Bühne „auftauchen“ zu können.

Es ist fast 21 Uhr, die Show beginnt gleich, somit bedanke ich mich bei Russell e Cleo und lasse sie in Ruhe arbeiten.
Die Show ist noch besser als ich erwartete: Die Produktion ist allen Bereichen perfekt, die Künstler sind wundervoll, die Story faszinierend, der Sound von höchster Qualität, Licht und Video stimmen bis auf das kleinste Detail.

Unmöglich in Worten auszudrücken, eine tolle Erfahrung sowohl was die künstlerische- als auch technische Ausführung angeht. Somit kann ich nur allen wärmstens empfehlen ein Ticket für die Cirque du Soleil – Tournee zu erwerben. Es wird ein unvergessliches Erlebnis sein.

Mehr Infos: www.cirquedusoleil.com


Alex Panella
ZioGiorgio staff

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