Testbericht Mackie Onyx Satellite

“O Gott o Gott! Noch ein Audiointerface…!“ So könnte die Reaktion auf das neue Satellite FireWire Recording System lauten. Ist aber hier nicht der Fall: Mackie hat sich da, wie üblich, schon was besonderes ausgedacht…



Mittlerweile gibt es auf dem Markt eine Unzahl von USB und Firewire Recording Preamps und Audiointerfaces in allen Preis- und Qualitätsklassen: Von unglaublich preiswert, mit meist minderwertigen Vorverstärkern und A/D Wandlern, bis zu wirklich professionellen Geräten. Das Onyx Satellite System gehört sicherlich in die Profiliga was die Soundqualität angeht und dies bei einem relativ geringen Preis. Eine wirklich coole Lösung für Desktop Recording, Projectstudios und durch die geniale Idee der Docking-Station plus Satellite auch besonders gut für mobiles Laptop Recording geeignet.


Es weihnachtet sehr…

Auspacken fand ich immer schon aufregend! Auch Weihnachten interessiert mich an Geschenken fast mehr die Verpackung als der Inhalt. Als mein Hausmeister, der freundlicherweise das Paket für mich entgegengenommen hatte, mir die Post aus dem fernen Rotterdam überreicht, bin ich hellauf begeistert und gleichzeitig überrascht! Das Paket ist vollkommen in Folie eingeschweißt, mit ultrastarkem Klebepaketband versehen und wiegt relativ viel für das was ich erwarte.
Und nun zum Auspacken! Nach ungefähr 10 Minuten gebe ich mich geschlagen: Ohne einen Cutter wäre ich dieser Verpackung niemals beigekommen…best compliments to UPS! Was ich dann endlich aus dem Paket schäle ist sicherlich eines der coolsten Geräte das mir in der letzten Zeit unter die Finger geraten ist. Das Design ist wirklich top und das Onyx Satellite System auch einfach nur in den Händen zu halten gibt mir das Gefühl von Qualität, Robustheit und Klasse. HARDware (harteWare) im wahrsten Sinne des Wortes. Sollte mir das Teil auf den Fuß fallen wäre ein wochenlanger Gipsverband sicherlich unvermeidbar. Auch wenn ich von den vielen Knöpfen und Ein- und Ausgängen beeindruckt bin, kann ich den unweigerlichen Drang das Satellitenteil aus seiner Basis zu ziehen nicht mehr unterdrücken. Erst ein kurzes Déjà-vu, – in einem Flash erscheint mir mein altes Blaupunkt-Autoradio – dann habe ich auch hier sofort wieder das Gefühl, es mit einem enorm soliden Gerät zu tun zu haben. Ein schneller Blick auf die Vorder- und Rückseite lässt weitere Potis und Anschlußmöglichkeiten erkennen. Nun versuche ich das Satelliten-Teil wieder in seine Basis einzuschieben. Mit einem vertrauenserweckenden „klock“ rastet der Onyx Satellite in seine Docking-Station ein.



MACKIE Onyx Satellite…Wasndas?
Der Satellite Pod, das Hirn des Systems, ist ein portables zweikanaliges FireWire Interface, das zwei der preisgekrönten Mackie Onyx Mikrofonvorverstärker sowie 24-Bit/96kHz A/D und D/A Konverter besitzt. Zudem bietet der Satellite Pod zwei Headphone/Control Room Ausgänge mit individuell einstellbarem Pegel, zwei Eingänge (Neutrik Combo) und zwei ¼“ TRS Klinken-Ausgänge, 48V Phantom-Power für eure Kondensermikes und wer seine Stratocaster direkt anschließen möchte kann auf die HI-Z Schalter zurückgreifen.


Wenn der „Satellit“ in seiner Base-Station steckt, bietet das System eine Vielzahl von weiteren Features: Ein Talkback-Mikrofon (sehr praktisch), die Möglichkeit mit einem A/B-Schalter zwischen zwei Monitorpaaren switchen zu können (prima: hab’ da gleich meine Genelecs und NS10 angeschlossen) und auch Surround-Fans kommen auf ihre Kosten: ein weiterer Druckschalter erlaubt es, sich für Stereo-Output oder 5.1-Output entscheiden zu können. Auf der Rückseite der Docking-Station gibt es außer den soeben zitierten Ausgängen auch eine Menge Inputs: Außer den beiden Mikrofoneingängen gibt es pro Kanal noch zwei Line-Eingänge, einen Eingang um Musikinstrumente mit Pick-Ups direkt anschließen zu können und einen Insert (Send/Return) für eure heißgeliebten Kompressoren oder anderes Outboard.

Als weiteres Feature hat das System auch eine Kensington Sicherung gegen Diebstahl.

Die Idee des Onyx Satellite Systems ist wirklich cool: Ich richte das Gerät in meinem Home- oder Projektstudio in der Nähe meiner DAW ein, verkabele alles was mein Herz begehrt und immer dann, wenn ich bei meinem Kumpel (der keinen anständigen Mic-Pre hat) etwas aufnehmen will, oder wenn ich mit meinem Laptop unterwegs bin, z.B. um die Proben mitzuschneiden oder eine Stereoaufnahme einer Jazz- oder DeathMetal-Combo machen möchte, brauche ich einfach nur den Satelliten-Pod aus seinem Schacht ziehen ohne alles wieder abkabeln zu müssen. Wirklich praktisch.
Die Stromversorgung erfolgt direkt über die Firewireverbindung (12V DC). Für alle Fälle, z.B. wenn ich keinen 6-Pin Firewire-Stecker zur Verfügung habe (die meisten Laptops haben leider nur 4-Pin Stecker) aber auch falls ich den Satelliten ohne Computer „stand alone“ benutzen will, wird ein AC Netzgerät mitgeliefert.


Getting connected…

Erstmals möchte ich Mackie für ihre immer einfachen und klaren Gebrauchsanweisungen loben. Auch hier beim Onyx Satellite ist alles sofort zu verstehen, auch dank der vielen Abbildungen
und nützlichen Hinweisen. Da ich ein PC-User bin habe ich erst mal die Asio-Driver von der mitgelieferten CD installieren müssen (Mac macht wie üblich alles alleine). Der PC hat die neue Hardware sofort erkannt und auch wenn am Ende der Installation Windows mir in einer Fehlermeldung bekanntgibt, das irgendetwas mit bei Installation nicht so richtig geklappt hat , funktioniert alles einwandfrei. Auf dem Desktop erscheint eine Ikone die mir einen Shortcut zum Onyx Satellite Control Panel gibt: Hier kann man die Sample Rate und die Buffer-Latenz einstellen.
Zum Lieferumfang des Onyx Satellite gehört eine Vollversion von Mackies preisgekrönter Tracktion 2 Software, mit der eine vollständige Recordinglösung mit professionellen Features wie eine 64 Bit Mixengine, unbegrenzte Anzahl von Tracks, ReWire Funktionalität, VST Support, Midi Controller Mapping und die integrierte Unterstützung der Mackie Control und der C4 Control zur Verfügung steht. Ebenso wird ein komplettes Set von Mackies Mixing und Mastering Plug-Ins mitgeliefert. Persönlich habe ich Tracktion noch nie ausprobiert. Da ich schon seit ATARI-Zeiten (mannomannwiediezeitvergeht!) Cubase benutze, war es für mich logisch auch weiterhin mit Steinbergs Software (im Moment Nuendo3) zu arbeiten. Ich habe mich zeitweise auch mit Mac, Pro-Tools und Digital Performer herumgeschlagen. Am Ende komme ich aber am besten mit Cubase/Nuendo zurecht. Die Wahl der DAW-Software ist glaube ich einfach Gewöhnungs- und Geschmackssache. So…nun denn. Also kurz noch die richtigen Asio-Driver auch in Nuendo einstellen und fertig. Ready to rock’n’roll! Werde einfach mal ein Mikrofon (my little Brauner VMA) anschließen und ein paar Vocals und Akustikgitarren aufnehmen, dann sehen (hören) wir mal ob und wie alles funktioniert.




Recording… (Onyx Mic-Pre…oh yes! Latenz…oh no!)

In meinem ersten Studio hatte ich es jahrelang mit einem Mackie 32-8 8-Bus zu tun. Seither bin ich ein Fan der Mackie Mikrofonvorverstärker weil sie sehr clean und eben nicht „gefärbt“ sind und jede Menge Headroom haben. Die preisgekrönten Onyx-Pres sind wirklich fantastisch. Stimme und Akustikgitarre klingen sehr sauber und wirklichkeitsgetreu.
Eine Sache gibt mir aber keine Ruhe. Wäre es nicht möglich gewesen, bei all den tollen Routing-Features und Ein-und Ausgängen auch eine Direct Monitoring-Funktion vorzusehen? Der Wahlschalter „Source“ gibt mir zwar die Möglichkeit entweder das direkte Signal der Inputs oder das Signal von der DAW zu hören, aber während der Aufnahme ist es nicht möglich das DAW-Signal und das direkte Eingangs-Signal gleichzeitig und somit ohne Latenz zu hören. Beim niedrigsten Bufferwert von 128 Samples nehme ich z.B. beim Aufnehmen meiner Stimme die Latenz wie einen sehr kurzen Raumhall war. Ist ja nicht so wild, aber was geschieht wenn ich ein paar fette VST-Plugs benutze oder an einem Projekt arbeite das schon eine Menge andere Audio-Tracks hat? Hier bin ich gezwungen mit höheren Bufferwerten zu arbeiten, ansonsten schafft’s die CPU einfach nicht. Bei höheren Bufferwerten ist die Latenz/Delay während des Aufnehmens wirklich sehr lästig.
Das Fehlen eines digitalen Eingangs finde ich persönlich nicht so schlimm aber ein Midi-Interface fände ich sicherlich sehr nützlich für ein Produkt das klar für den Bereich Musik-Recording konzipert ist.


Cool…

Die Idee des zweiteiligen Sytems „Satellite + Base-Station“ ist wirklich Klasse. Damit hat man ein kompaktes Interface und einen Top-Recording-Preamp für unterwegs und im Studio eine vollwertige Monitorsektion mit Talkback und 2 (zwei!) Kopfhörer-Ausgängen.

Auch stand alone (ohne Computer) funktioniert das System als Preamp, Monitor- oder Linemixer.

Guter Sound! Die Mackie Onyx Mikrofonvorverstärker und die AKM 24bit/96khz Konverter haben es wirklich in sich. Schon allein deswegen würde sich der Kauf des Onyx Satellite lohnen.

Die Verarbeitung und das Design sind wirklich Spitzenklasse.

Onyx Satellite kommt zusammen mit der Tracktion 2 Software. Für alle, die noch keine gute DAW-Software besitzen ein weiterer Grund das Onyx Satellite System auf die Weihnachtswunschliste zu setzen.

Das Preis/Leistungsverhältnis ist ausgezeichnet. Für 500€ gibts „jede Menge Holz“ in Spitzenqualität.


Nicht so cool…

Was fehlt ist meiner Meinung nach ein Midi-Anschluß und die Möglichkeit mit einer Direct Monitoring-Funktion das Eingangssignal direkt nach dem Pre (oder nach dem Insert) zum DAW-Signal mischen zu können um ein latenzfreies Hören während der Aufnahme zu ermöglichen.


Fazit

Ich bin jetzt schon ganz traurig. In wenigen Tagen werde ich das Onyx Satellite wieder nach Mackie/Loud Technologies zurückschicken müssen. Es ist für den Preis eines der besten 2-Kanal-Audio-Interfaces auf dem Markt und in Pole-Position auf meiner Wunschliste. Nichts für mein „großes“ Studio, aber für mein kleines Home/Project-Studio das ich mir zu Hause eingrichtet habe wäre es die Lösung! Vielleicht kann ich ja mit dem Verantwortlichen von LOUD Technologies einen Extra-Bonus für Produkttester aushandeln. Frohe Weihnachten!

Mehr Infos:

www.mackie.com

www.loudtechinc.com


Guido Block ist Musiker, Produzent und Besitzer eines Tonstudios und schreibt seit vier Jahren für ZioGiorgio.de

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